100 Jahre Frauenwahlrecht - Im Januar 1919 durften Frauen in Deutschland das erste Mal wählen
Stellen Sie sich vor: Morgen sind Wahlen und Sie dürfen nicht hin. Weil Sie eine Frau sind! Noch vor 100 Jahren war es genauso. Da durften Frauen nicht wählen. Weil sie Frauen waren. Weil sie sich als Hausfrau und Mutter ihrem Ehemann unterordnen mussten. Auch galten Frauen als zu emotional um Politik zu machen. Akteurinnen verschiedener Flügel der Frauenbewegung wie Clara Zetkin, Anita Augspurg, Marie Juchacz, Helene Lange und viele andere weltweit nahmen das nicht hin und erstritten und erkämpften seit Mitte des 19. Jahrhunderts das Stimmrecht für Frauen.
Im November 1918 erreichten sie dann die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland und im Januar 1919 fanden die ersten Wahlen für beide Geschlechter statt. Zum ersten Mal durften Frauen wählen und gewählt werden. Zum ersten Mal durfte eine Frau im deutschen Parlament sprechen, Marie Juchacz. Rita Süssmuth, Bundesfrauenministerin a.D.: „Es ging um mehr als das aktive und passive Wahlrecht. Erkämpft wurde das Recht zur Mitwirkung und Mitgestaltung in allen Lebensbereichen,…“
Seitdem ist viel passiert.
Seit 1949 sind Frauen und Männer laut Grundgesetz gleichberechtigt und seit 1977 müssen Frauen ihre Ehemänner nicht mehr um Erlaubnis fragen, wenn sie erwerbstätig sein möchten. Seit 2005 regiert eine Frau, Angela Merkel, das Land. Dennoch gibt es noch viel zu tun. So finden wir nur in jedem 10. Rathaus im Lande eine Bürgermeisterin, in jedem deutschen Parlament sind bisher Männer in der Mehrheit, der Frauenanteil im Bundestag ist sogar zurückgegangen und ist damit auf dem Stand von vor 20 Jahren. Dabei wissen wir, dass es wichtig ist, dass Frauen mitentscheiden und sich weiter für die Gleichberechtigung einsetzen für eine gerechtere Bezahlung, für mehr Frauen in den Chefetagen und in politischen Gremien, für ein gewaltfreies Leben, für eine gerechtere Aufteilung der Haus- und Familienarbeit.