Inhalt
Datum: 26.04.2022

Von der Hobelbank zur CNC-gesteuerten Fräse

Es gibt wohl kaum jemanden in Belm, der noch nie von der Tischlerei Helmich gehört hat. Das ist auch fast unmöglich, denn den Handwerksbetrieb gibt es bereits seit mehr als 150 Jahren im Ort. Im Rahmen seiner regelmäßigen Unternehmensbesuche stattete Bürgermeister Viktor Hermeler jetzt dem Traditionsbetrieb an der Lindenstraße einen Informationsbesuch ab.

Dass die Tischlerei von Fritz und Susanne Helmich ein Familienbetrieb ist, zeigte sich beim Besuch an einer gedeckten Kaffeetafel auf der kleinen Terrasse am Firmenhof. Seniorchefin Inge Helmich brachte frischen Kuchen, Sohn Bastian sorgte für den Kaffee. „Angefangen hat alles mit einer Hobelbank in einer kleinen Werkstatt“, beschreibt Firmenchef Fritz Helmich die Anfänge. „Heute arbeiten wir zum Teil mit computergestützten Maschinen“.

Der erste Tischler in der Familie war kein Helmich, sondern Bernhard Johann Heinrich Weber aus Vehrte. Er heiratete 1870 die Witwe Karoline Jürgens, die drei Kinder mit in die Ehe brachte. Weber stellte im Schuppen ihres Hauses am Astruper Weg eine Hobelbank auf. Gearbeitet wurde zumeist direkt bei den Bauern, zu denen Weber mit einer Werkzeuglade auf dem Rücken zog und vor Ort geschlagenes und gelagertes Holz nach Kundenwunsch verarbeitete.
Webers Stieftochter Josefine Jürgens heiratete 1891 den Tischler Friedrich Johann Hermann Victor Helmich. Ein Jahr später bauten sie ein Haus mit kleiner Werkstatt auf dem heutigen Firmengrundstück. Deren Sohn Friedrich Helmich (der Vorname Friedrich oder Fritz sollte sich noch durch zwei weitere Generationen ziehen) errichtete eine größere Werkstatt mit Maschinenraum und baute den Betrieb auf acht Beschäftigte aus.
Friedrich Helmich war in Belm eine äußerst angesehene Persönlichkeit. Er war Schiedsmann, Kirchenvorsteher und von 1945 bis zu seinem Tod 1967 Bürgermeister von Belm. Nicht zuletzt war Friedrich Helmich von 1945 bis 1967 außerdem der Standesbeamte im Ort - ein Amt, das seine Frau Erna in ihrem Wohnzimmer, welches auch als Trauzimmer genutzt wurde, auch noch lange innehatten, bevor die Aufgabe ins Rathaus verlagert wurde.
In den 1960er Jahren erkannten die Helmichs bei der stetig wachsenden Einwohnerzahl in Belm die Notwendigkeit eines modernen Bestattungsbetriebes. Fritz Helmich schaffte 1968 den ersten Leichenwagen an, Ehefrau Inge führte fortan erfolgreich die Geschäfte des Bestattungsbetriebes.

Fritz Helmich, geboren 1964, führt heute mit Ehefrau Susanne den Familienbetrieb in 5. Generation. Das Stammhaus aus dem Jahr 1892 ist immer noch Teil der Firmengebäude und beherbergt unter anderem die Büros der Tischlerei. 2014 wurde eine neue Halle gebaut. Dort steht auch eine CNC-gesteuerte Fräse, die nach Entwürfen am PC vollautomatisch Bohrungen, Nuten und Fräsungen für zum Beispiel Schrankseiten herstellt.
Heute beschäftigt das Familienunternehmen zwölf Mitarbeiter in der Tischlerei und drei im Bestattungswesen. „Für unseren Tischler-Nachwuchs haben wir immer Praktikanten aus den benachbarten Schulen bei uns und wir stellen jedes Jahr mindestens einen Auszubildenden ein“, unterstreicht Fritz Helmich. Mehr als 60 Azubis haben im Betrieb ihre Ausbildung bestanden, sagt er.

Bürgermeister Viktor Hermeler freute sich über die hautnahen Einblicke in den Betrieb. „Es ist beeindruckend zu sehen, dass sich traditionelles Handwerk über einen so langen Zeitraum in der Gemeinde behaupten kann und mit innovativen Neuerungen immer am Puls der Zeit arbeitet“. Und da mit Juniorchef Bastian Helmich, Ingenieur für Holztechnik (BA), bereits die sechste Generation in der Firmenfolge in den Startlöchern steht, soll es auch in den nächsten Jahrzehnten Qualitätshandwerk aus dem Hause Tischlerei Helmich in Belm geben.

Infos zur Firma gibt es unter www.tischlerei-helmich.de