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Datum: 28.03.2022

Trockenmauerbau ist »mehr als nur Steine stapeln«

“Wenn man das hier sieht, kann man nur froh sein, dass es Leute gibt, die sich das richtige Wissen angeeignet haben und sowas bauen können”, schwärmt Markus Rolf, Abteilungsleiter der Unteren Naturschutz- und Waldbehörde beim Landkreis Osnabrück. Gemeint ist eine rund 200 Meter lange Trockenmauer in Haltern. Und gebaut hat sie das Team „Trockenmauerbau“ der Belmer Integrationswerkstatt (BIW).

Schon seit 2007 führt die BIW den Trockenmauerbau als Qualifizierungsprojekt im Bereich Bauhandwerk/Garten- und Landschaftsbau durch. „Mit dem Projekt Trockenmauerbau halten wir ein festes Angebot vor, um Teilnehmende zu qualifizieren und sie erfolgreich in Ausbildung und Arbeit vermitteln zu können“, erklärt BIW-Geschäftsführer Gerhard Wienken. In den vergangenen Jahren seien bereits mehrere schöne und ortstypische Mauern in der Gemeinde Belm saniert und gebaut worden, ergänzt Bürgermeister Viktor Hermeler.

Mit Förderung durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) startete Mitte 2021 der Bau eines 50 Meter langen Teilstückes einer insgesamt 220 Meter langen Trockenmauer entlang der Lindenstraße auf dem Grundstück von Stephanie Junge-Hülsing.

Unter der Führung von BIW-Praxisanleiter Stephan Herwig wurde die Trockenmauer in mehreren Abschnitten gebaut. Zuerst musste ein tragfähiger Unterbau aus Schotter eingebracht werden, anschließend wurden die verschiedenen Steine in anspruchsvoller Puzzle-Arbeit und in mehreren Schichten gesetzt. „Das ist mehr als nur Steine übereinanderstapeln“, sagt Mitarbeiter Marvin Hamacher und ergänzt freudig: „Ich habe im Laufe der Zeit großen Spaß an der Arbeit gefunden.“

Insgesamt wurden für dieses Teilstück der Trockenmauer 32,2 Tonnen gebrochener Naturstein verbaut. Zuletzt wurde die Mauerkrone mit rund 600 Pflanzen verschiedener Sedum-Arten und 400 weiteren trockenheitsresistenten Pflanzen bepflanzt. „Durch den Bau dieser Mauer wurde dem Schutz wildlebender Insekten auch im weiteren Umfeld in entscheidender Weise entsprochen“, bekräftigt Wienken.

„Ich bin restlos begeistert und sprachlos über dieses Kunstwerk“, freut sich Eigentümerin Stephanie Junge-Hülsing, und ergänzt an Stephan Herwig, Marvin Hamacher und die Jugendlichen vom Trockenmauerbau-Team gerichtet: „Und ich bin glücklich, dass ich Euch habe.“

Überaus zufrieden zeigte sich auch Aylin Schulte vom NLWKN aus Oldenburg über das Projekt: „Wir freuen uns sehr, dass unsere Förderung so großen Anklang findet.“ Eigens angereist von der Landesbehörde aus Hannover ist auch Jennifer Trentlage: „Gerade solche Projekte sind unheimlich wertvoll auch als Gemeinschaftsaufgabe.“ Die Gemeinschaftsaufgabe `Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes´ ist das Hauptinstrument des NLWKN zur Förderung einer nationalen Agrarstruktur, unter der auch Mittel für den nicht-produktiven, investiven Naturschutz zur Verfügung gestellt werden. Der Trockenmauerbau der BIW wurde mit insgesamt 32.250 Euro gefördert.