Sagenhaftes
Sagen aus Belm und seiner Umgebung
In früheren Jahrhunderten, als es noch keine Zeitungen, Illustrierte oder Radio und Fernsehen gab, erzählte man sich an den Abenden gern allerlei Geschichten, Sagen und Märchen. Die Menschen verstanden es schon damals, solche Geschichte auszuschmücken und aufzubauschen, wie es auch heute noch oft mit Gerüchten der Fall ist
Besonders ältere Menschen hatten in den Jüngeren eine aufmerksame Zuhörerschaft, wenn sie von längst vergangenen Zeiten zu berichten wußten. Einige dieser Geschichten hat Konrad Hinze (+) zusammengetragen. Er stützte sich dabei auf einige Sagenbücher, die in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts verlegt wurden.
Die Hünen zu Haltern und Gretesch
Die Hünengräber in der Heide zu Haltern und bei Sundermann in Gretesch wurden in alter Zeit von Riesen bewohnt, die gute Nachbarschaft hielten und das Backen der Brote gemeinsam ausführten. Als eines Tages wieder in Gretesch gebacken werden sollte, standen beide Riesen am Teigtrog und kneteten eifrig am Teig. Der Hüne zu Gretesch unterbrach für einen kurzen Augenblick seine Arbeit und richtet sich empor, um sich ein wenig auszuruhen. Mit seinen nervigen Fäusten faßte er seine Kleider und rieb sie an seinem Körper, weil das Ungeziefer ihn allzu arg belästigte. Er rückte ihn so energisch zu Leibe, daß das Geräusch bis nach Haltern drang und auch von dem dortigen Riesen vernommen wurde. Dieser war noch in voller Tätigkeit und wenig erbaut über das Gehörte. Er nahm an, daß sein Nachbar die Arbeit beendet und soeben den Teigtrog in üblicher Weise mit dem sogenannten Schräpper gereinigt habe. Um nicht zu spät in Gretesch zu erscheinen, faßte er kurzentschlossen seinen Trog und eilte mit der schweren Last in raschen Schritten nach dort. (Heinrich Westerfeld in "Osnabrücker Monatsblätter für Geschichte und Heimatkunde", 1908). Eine ganz ähnliche Sage wird auch über die Hünensteine in Wellingen erzählt.
Lebendig nach Belm und tot nach Engter
Als unseren Vorfahren das Christentum aufgezwungen war, nahmen sie es anfangs nicht allzu genau mit dem neuen Glauben. So wohnte ein Bauer hinterm Berge im Holz, der ging nur selten und wenn er gar nicht anders konnte, nach Belm zur Kirche. Als er an einem frosthellen Wintertag am Dreschen war, hörte er allenthalben hinter dem Berge die Kirchenglocken läuten und sagt spotten zu seinen Söhnen: "Watt mag van Dage woll loss sin? De grauten Rüens blicket allenthalben sau bannig!" Später kam ein Mann vorbei und wunderte sich, als sie nicht einmal wußten, daß der erste Weihnachtstag sei. Da sagte der Bauer, hinter dem Berge würden sie wenig Neues gewahr.
Als der Alte nun nach Jahr und Tag starb und seine Angehörigen ihn auf dem Kirchhofe in Belm begraben lassen wollten, sagte der Pastor, er sei gar kein Christ gewesen, sonder ein rechter Heide und ihm einmal zu Lebzeiten gesagt, es gefiele ihm unter den Eichen und Buchen in seinem Hofe viel besser als zwischen den kahlen Kirchhofsmauern. Nun sollten sie ihn auch nur dort begraben. In ihrer großen Verlegenheit gingen die Angehörigen zu dem Pastor von Engter, und der sagte, sie sollten den Alten nur bringen, solche Gäste habe er schon öfter gehabt. Seit der Zeit gehören sie auf dem Hofe lebendig nach Belm und tot nach Engter. (L.Schirmeyer "Osnabrücker Sagenbuch", 1920).
Das Meerweib in Icker
Auf dem Kolke in Icker schwamm früher eine Insel, die mit Gras und Bäumen bewachsen war. In dem Wasser lebten Meerweiber, die auf der Insel und am Ufer ihr Spiel trieben. Als eines Tages die Leute des nahen Hanfeldschen Hofes auf dieser Wiese bei dem Kolk beschäftigt waren, sahen sie eins von den Kindern der Meerweiber, das am ganzen Körper wie ein Hund mit Haaren bedeckt war. Sie nahmen es mit nach Hause und legten es unter die Bank am Herde, wo es den ganzen Tag ruhig lag. Als es aber Nacht geworden war, kam die Mutter des fremden Geschöpfes und nährte es. So geschah es von der Zeit an jede Nacht. Unterdessen wuchs das Kind heran, Da beschlossen die Bauernleute, es zu scheren, damit es Kleider anziehen könne. Sie schoren das behaarte Wesen an dem Tage aber vorläufig nur zur Hälfte. Als nun in der folgenden Nacht die Mutter wiederkam und sag, was mit ihrem Kinde geschehen war, nahm sie es wieder mit sich und sagt: "Sau as ju min Kin dhebt schuoren, is jue Glück und Stie verluoren." Und bis ins siebente Glied haben Hanfelds vir Unglück gehabt. (Adolf Wrasmann "Die Sagen der Heimat", 1908).
Anmerkung:
Der Kolk in Icker ist nicht mehr vorhanden. Er wurde im Jahre 1864 zugeschüttet. Entstanden war er 1411. Am 22.April 1782 entstand etwa 150 Meter daneben ein weiterer Kolk. Er wurde aber noch vor der Jahrhundertwende aufgefüllt.
Der Süntelstein in Vehrte
Vor Einführung des Christentums regierte der Teufel in unserer, an heidnischen Denkmälern reichen Gegend, ja er war hier eigentlich zu Hause. Noch heut liegen im Vehrter Bruche zwei Steindenkmmäler, auf dem kleineren, an dem die Kriebeke vorbeifließt, hat der Teufel damals sein Brot geknetet, das andere war sein Backofen.
Da mußte es ihn denn über alle Maßen verdrießen, als der Christengott ihm sein angestammtes Reich und sein Herrscherrecht streitig machen wollte und sich in Venne eine Kirche bauen ließ.
Um die Tür der fertigen Kirche, deren Bau er nicht hatte verhindern können, zu sperren, damit keiner hinein komme, holte der Teufel um die Mitternacht einen schweren, großen Granitblock, wahrscheinlich vom Gattberge, wo noch jetzt zahlreiche Granitblöcke umherliegen, band eine dicke Kette kreuzweise herum und begann dann, ihn auf seinem Rücken bergan zu schleppen.
Der Stein war aber so schwer, daß dem Teufel seiner riesigen Stärke, doch recht höllisch heiß wurde. Manchmal mußte er stehen bleiben, um sich zu verschnaufen. Dadurch verspätete er sich sehr.
Denn gerade, als er oben auf dem Berge ankam, schoß von Osten her der erste Strahl der Sonne zu ihm herüber, ein wachsamer Hahn vom Venner Tal krähte seinen Morgengruß heraus. Da war das nächtliche, böse Walten des Teufels zuende.
Wütend erfaßte er den Stein und stieß ihn mit aller Kraft in den harten Boden des Berges. Der Stein steht noch auf derselben Stelle, aber von dem gewaltigen Stoß hat er da, wo die Ketten ihn umschlossen, in der Mitte und von oben nach unten zwei tüchtige Risse bekommen. Auch sind die Spuren der Kette an den äußeren Rändern dieser Risse noch sichtbar.
An der nach Venne gelegenen Seite bemerkt man deutlich, wie der Rücken des Teufels durch seine höllischen Hitze den Granit geschmolzen hat.
Seit jener Zeit dreht sich der Stein jeden Morgen um seine Achse, wenn der erste Sonnenstrahl erscheint; zum ewigen Andenken an die Rettung der Venner Kirch durch die Sonne, die das nächtliche Walten des Teufels vernichtet, wird er noch jetzt Süntelstein genannt. Seitdem ihm sein böses Vorhaben mißlang, hat der Teufel diese Gegen verlassen. (August Dieckmann "Aus der Sagenwelt", 1900).
Anmerkung:
In der Vehrter Gemeindechronik sind zwei Hinweise zum Süntelstein zu finden. August Diekmann schreib auf Seite 15: "Der Süntelstein, im Volksmunde "Sünnenschein", bei Venne ist ein aufrecht stehender Steinkoloß von 12 Fuß Höhe und 6 Fuß Dicke. Ob er Grenz- oder Opferstein war, weiß man nicht...".
Alfred Bauer jun. Ist wie folgt zitiert: "Der Süntelstein ist oft als Opferstein gedeutet worden, doch fehlen bei ihm als Opferschalen eingebohrte Vertiefungen oder kultische Zeichen. Bei diesem steil aufragenden Steinpfeiler .... kann es sich um einen sogenannten Menhire handeln. Solch Menhire dienten dem Seelenkult und sind in der westeuropäischen Großsteingrabkultur häufig, während sie in der nordischen fehlen."
Der Butterstein im Gattberg
Der Teufel herrscht drüben auf der Vehrte Egge, wo heute noch sein Backofen und sein Backtrog zu finden sind. Er wollte seinen Helfershelfern und Gesinnungsgenossen ein herrliches Gastmahl geben.. Ein großer Braten sollte angesetzt werden, auch Kuchen und leckeres Gebäck nicht fehlen. Nur mangelte es an der nötigen Butter. Wollten doch die Bewohner der Umgegend nicht gern etwas mit dem Teufel zu tun haben.
Eines Tages ging er als Bürger verkleidet durch's Revier. Da begegnete ihm eine Bauersfrau aus dem Gattberg mit einem Korbe am Arm. Er vermutete, daß sie wohl Butter in ihm verbarg. Freundlich bot er ihr die Tageszeit. So kamen sie ins Gespräch. In ihrer Sorglosigkeit erkannt sie ihn nicht, denn seinen Teufelsschwanz hatte der Herr der Hölle wohlweislich in den Hosen versteckt.
Sie erzählt ihm, daß sie die Butter nach Osnabrück zum Markte brächte. Er fragt, ob er sie einmal sehen und probieren dürfe. Da der Frau sich hier die günstige Gelegenheit bot, den weiten Weg nach Osnabrück zu sparen, gewährte sie ihm die Bitte, nannte ihm auch den Preis der goldgelben Butter. Der Teufel begann zu feilschen. Er schnitt ein großes Stück aus der Butterolle heraus und kostete die Butter. Um den Preis zu drücken, machte er die Butter schlecht. Es entbrannte ein heftiger Streit; ein Wort gab das andere. Die Frau fühlte sich in ihrer Bauernehre gekränkt.
Zuletzt ergriff sie einen Stab und hieb auf den Teufel ein. Das aber war dem Herrn der Hölle zu viel, Er geriet in heftigen Zorn und sprach: "Du und deine Butter, ihr sollte ewig verwandelt sein in Stein und ewig auf diesem Berge liegen."
Im Laufe der Jahrhunderte nahm der erst goldgefärbte Stein die graue Färbung an. Dasjenige Stück aber, das der Teufel probiert hatte, fehlt an der äußersten Ecke.
Anmerkung:
Der Stein war offensichtlich vor Hunderten von Jahren ein sogenannter "Burstein", bei dem in germanischer Zeit Angelegenheiten der Gemeinheit, Flurstreitigkeiten und ähnliches verhandelt wurde. Das Burgericht tagte stets unter freiem Himmel, in der Mitte des Gerichtsplatzes lag der große Burstein.
In früheren Jahrhunderten, als es noch keine Zeitungen, Illustrierte oder Radio und Fernsehen gab, erzählte man sich an den Abenden gern allerlei Geschichten, Sagen und Märchen. Die Menschen verstanden es schon damals, solche Geschichte auszuschmücken und aufzubauschen, wie es auch heute noch oft mit Gerüchten der Fall ist
Besonders ältere Menschen hatten in den Jüngeren eine aufmerksame Zuhörerschaft, wenn sie von längst vergangenen Zeiten zu berichten wußten. Einige dieser Geschichten hat Konrad Hinze (+) zusammengetragen. Er stützte sich dabei auf einige Sagenbücher, die in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts verlegt wurden.
Die Hünen zu Haltern und Gretesch
Die Hünengräber in der Heide zu Haltern und bei Sundermann in Gretesch wurden in alter Zeit von Riesen bewohnt, die gute Nachbarschaft hielten und das Backen der Brote gemeinsam ausführten. Als eines Tages wieder in Gretesch gebacken werden sollte, standen beide Riesen am Teigtrog und kneteten eifrig am Teig. Der Hüne zu Gretesch unterbrach für einen kurzen Augenblick seine Arbeit und richtet sich empor, um sich ein wenig auszuruhen. Mit seinen nervigen Fäusten faßte er seine Kleider und rieb sie an seinem Körper, weil das Ungeziefer ihn allzu arg belästigte. Er rückte ihn so energisch zu Leibe, daß das Geräusch bis nach Haltern drang und auch von dem dortigen Riesen vernommen wurde. Dieser war noch in voller Tätigkeit und wenig erbaut über das Gehörte. Er nahm an, daß sein Nachbar die Arbeit beendet und soeben den Teigtrog in üblicher Weise mit dem sogenannten Schräpper gereinigt habe. Um nicht zu spät in Gretesch zu erscheinen, faßte er kurzentschlossen seinen Trog und eilte mit der schweren Last in raschen Schritten nach dort. (Heinrich Westerfeld in "Osnabrücker Monatsblätter für Geschichte und Heimatkunde", 1908). Eine ganz ähnliche Sage wird auch über die Hünensteine in Wellingen erzählt.
Lebendig nach Belm und tot nach Engter
Als unseren Vorfahren das Christentum aufgezwungen war, nahmen sie es anfangs nicht allzu genau mit dem neuen Glauben. So wohnte ein Bauer hinterm Berge im Holz, der ging nur selten und wenn er gar nicht anders konnte, nach Belm zur Kirche. Als er an einem frosthellen Wintertag am Dreschen war, hörte er allenthalben hinter dem Berge die Kirchenglocken läuten und sagt spotten zu seinen Söhnen: "Watt mag van Dage woll loss sin? De grauten Rüens blicket allenthalben sau bannig!" Später kam ein Mann vorbei und wunderte sich, als sie nicht einmal wußten, daß der erste Weihnachtstag sei. Da sagte der Bauer, hinter dem Berge würden sie wenig Neues gewahr.
Als der Alte nun nach Jahr und Tag starb und seine Angehörigen ihn auf dem Kirchhofe in Belm begraben lassen wollten, sagte der Pastor, er sei gar kein Christ gewesen, sonder ein rechter Heide und ihm einmal zu Lebzeiten gesagt, es gefiele ihm unter den Eichen und Buchen in seinem Hofe viel besser als zwischen den kahlen Kirchhofsmauern. Nun sollten sie ihn auch nur dort begraben. In ihrer großen Verlegenheit gingen die Angehörigen zu dem Pastor von Engter, und der sagte, sie sollten den Alten nur bringen, solche Gäste habe er schon öfter gehabt. Seit der Zeit gehören sie auf dem Hofe lebendig nach Belm und tot nach Engter. (L.Schirmeyer "Osnabrücker Sagenbuch", 1920).
Das Meerweib in Icker
Auf dem Kolke in Icker schwamm früher eine Insel, die mit Gras und Bäumen bewachsen war. In dem Wasser lebten Meerweiber, die auf der Insel und am Ufer ihr Spiel trieben. Als eines Tages die Leute des nahen Hanfeldschen Hofes auf dieser Wiese bei dem Kolk beschäftigt waren, sahen sie eins von den Kindern der Meerweiber, das am ganzen Körper wie ein Hund mit Haaren bedeckt war. Sie nahmen es mit nach Hause und legten es unter die Bank am Herde, wo es den ganzen Tag ruhig lag. Als es aber Nacht geworden war, kam die Mutter des fremden Geschöpfes und nährte es. So geschah es von der Zeit an jede Nacht. Unterdessen wuchs das Kind heran, Da beschlossen die Bauernleute, es zu scheren, damit es Kleider anziehen könne. Sie schoren das behaarte Wesen an dem Tage aber vorläufig nur zur Hälfte. Als nun in der folgenden Nacht die Mutter wiederkam und sag, was mit ihrem Kinde geschehen war, nahm sie es wieder mit sich und sagt: "Sau as ju min Kin dhebt schuoren, is jue Glück und Stie verluoren." Und bis ins siebente Glied haben Hanfelds vir Unglück gehabt. (Adolf Wrasmann "Die Sagen der Heimat", 1908).
Anmerkung:
Der Kolk in Icker ist nicht mehr vorhanden. Er wurde im Jahre 1864 zugeschüttet. Entstanden war er 1411. Am 22.April 1782 entstand etwa 150 Meter daneben ein weiterer Kolk. Er wurde aber noch vor der Jahrhundertwende aufgefüllt.
Der Süntelstein in Vehrte
Vor Einführung des Christentums regierte der Teufel in unserer, an heidnischen Denkmälern reichen Gegend, ja er war hier eigentlich zu Hause. Noch heut liegen im Vehrter Bruche zwei Steindenkmmäler, auf dem kleineren, an dem die Kriebeke vorbeifließt, hat der Teufel damals sein Brot geknetet, das andere war sein Backofen.
Da mußte es ihn denn über alle Maßen verdrießen, als der Christengott ihm sein angestammtes Reich und sein Herrscherrecht streitig machen wollte und sich in Venne eine Kirche bauen ließ.
Um die Tür der fertigen Kirche, deren Bau er nicht hatte verhindern können, zu sperren, damit keiner hinein komme, holte der Teufel um die Mitternacht einen schweren, großen Granitblock, wahrscheinlich vom Gattberge, wo noch jetzt zahlreiche Granitblöcke umherliegen, band eine dicke Kette kreuzweise herum und begann dann, ihn auf seinem Rücken bergan zu schleppen.
Der Stein war aber so schwer, daß dem Teufel seiner riesigen Stärke, doch recht höllisch heiß wurde. Manchmal mußte er stehen bleiben, um sich zu verschnaufen. Dadurch verspätete er sich sehr.
Denn gerade, als er oben auf dem Berge ankam, schoß von Osten her der erste Strahl der Sonne zu ihm herüber, ein wachsamer Hahn vom Venner Tal krähte seinen Morgengruß heraus. Da war das nächtliche, böse Walten des Teufels zuende.
Wütend erfaßte er den Stein und stieß ihn mit aller Kraft in den harten Boden des Berges. Der Stein steht noch auf derselben Stelle, aber von dem gewaltigen Stoß hat er da, wo die Ketten ihn umschlossen, in der Mitte und von oben nach unten zwei tüchtige Risse bekommen. Auch sind die Spuren der Kette an den äußeren Rändern dieser Risse noch sichtbar.
An der nach Venne gelegenen Seite bemerkt man deutlich, wie der Rücken des Teufels durch seine höllischen Hitze den Granit geschmolzen hat.
Seit jener Zeit dreht sich der Stein jeden Morgen um seine Achse, wenn der erste Sonnenstrahl erscheint; zum ewigen Andenken an die Rettung der Venner Kirch durch die Sonne, die das nächtliche Walten des Teufels vernichtet, wird er noch jetzt Süntelstein genannt. Seitdem ihm sein böses Vorhaben mißlang, hat der Teufel diese Gegen verlassen. (August Dieckmann "Aus der Sagenwelt", 1900).
Anmerkung:
In der Vehrter Gemeindechronik sind zwei Hinweise zum Süntelstein zu finden. August Diekmann schreib auf Seite 15: "Der Süntelstein, im Volksmunde "Sünnenschein", bei Venne ist ein aufrecht stehender Steinkoloß von 12 Fuß Höhe und 6 Fuß Dicke. Ob er Grenz- oder Opferstein war, weiß man nicht...".
Alfred Bauer jun. Ist wie folgt zitiert: "Der Süntelstein ist oft als Opferstein gedeutet worden, doch fehlen bei ihm als Opferschalen eingebohrte Vertiefungen oder kultische Zeichen. Bei diesem steil aufragenden Steinpfeiler .... kann es sich um einen sogenannten Menhire handeln. Solch Menhire dienten dem Seelenkult und sind in der westeuropäischen Großsteingrabkultur häufig, während sie in der nordischen fehlen."
Der Butterstein im Gattberg
Der Teufel herrscht drüben auf der Vehrte Egge, wo heute noch sein Backofen und sein Backtrog zu finden sind. Er wollte seinen Helfershelfern und Gesinnungsgenossen ein herrliches Gastmahl geben.. Ein großer Braten sollte angesetzt werden, auch Kuchen und leckeres Gebäck nicht fehlen. Nur mangelte es an der nötigen Butter. Wollten doch die Bewohner der Umgegend nicht gern etwas mit dem Teufel zu tun haben.
Eines Tages ging er als Bürger verkleidet durch's Revier. Da begegnete ihm eine Bauersfrau aus dem Gattberg mit einem Korbe am Arm. Er vermutete, daß sie wohl Butter in ihm verbarg. Freundlich bot er ihr die Tageszeit. So kamen sie ins Gespräch. In ihrer Sorglosigkeit erkannt sie ihn nicht, denn seinen Teufelsschwanz hatte der Herr der Hölle wohlweislich in den Hosen versteckt.
Sie erzählt ihm, daß sie die Butter nach Osnabrück zum Markte brächte. Er fragt, ob er sie einmal sehen und probieren dürfe. Da der Frau sich hier die günstige Gelegenheit bot, den weiten Weg nach Osnabrück zu sparen, gewährte sie ihm die Bitte, nannte ihm auch den Preis der goldgelben Butter. Der Teufel begann zu feilschen. Er schnitt ein großes Stück aus der Butterolle heraus und kostete die Butter. Um den Preis zu drücken, machte er die Butter schlecht. Es entbrannte ein heftiger Streit; ein Wort gab das andere. Die Frau fühlte sich in ihrer Bauernehre gekränkt.
Zuletzt ergriff sie einen Stab und hieb auf den Teufel ein. Das aber war dem Herrn der Hölle zu viel, Er geriet in heftigen Zorn und sprach: "Du und deine Butter, ihr sollte ewig verwandelt sein in Stein und ewig auf diesem Berge liegen."
Im Laufe der Jahrhunderte nahm der erst goldgefärbte Stein die graue Färbung an. Dasjenige Stück aber, das der Teufel probiert hatte, fehlt an der äußersten Ecke.
Anmerkung:
Der Stein war offensichtlich vor Hunderten von Jahren ein sogenannter "Burstein", bei dem in germanischer Zeit Angelegenheiten der Gemeinheit, Flurstreitigkeiten und ähnliches verhandelt wurde. Das Burgericht tagte stets unter freiem Himmel, in der Mitte des Gerichtsplatzes lag der große Burstein.


